Wie auf einem anderen Planeten...
An was denkt man, wenn man von Hawaii hört? Traumhafte Strände, surfbare Wellen und tanzende Baströckchen? Fast korrekt. Als Tourist kommt man leider nicht drum herum, auch Bekanntschaft mit diesen Klischees zu machen. Es sei denn, man steigt in Honolulu gleich nochmals ins Flugzeug um auf die Nachbarinsel Island of Hawai'i, auch genannt "Big Island" zu gelangen. 

Die Big Island ist fast zwei Mal so groß wie alle anderen hawaiianischen Inseln zusammen. Mit genug Zeit und Wanderlust im Gepäck lässt sie einen vier Klimazonen durchstreifen und besticht durch abgelegene Strände, traumhafte Buchten, die Kona Brewing Company ;-) und zwei aktive Vulkane - den Kilauea und den Mauna Loa. Diese Vulkane formen die Insel seit Jahrtausenden immer wieder um und lassen sie kontinuierlich wachsen. Ich war im Dezember 2019 für eineinhalb Wochen dort und durfte von Kailua-Kona aus beide Vulkane sowie ein paar andere interessante Orte auf der Big Island besuchen.

Doch zunächst einmal ein paar Rahmendaten: 

Die Big Island besteht aus insgesamt fünf Vulkanen, von denen zwei erloschen sind, einer "schläft" und zwei weitere momentan aktiv sind. Auf der 10.500 km² großen Insel leben zirka 200.000 Menschen. Bei Besuchern ist sie die drittbeliebteste Insel der Inselkette. Besonders der Bezirk Kailua-Kona ist bei Touristen beliebt, da sich dort ein internationaler Flughafen befindet. In dieser Region an der Westküste finden sich wunderschöne Sandstrände und Buchten. Außerdem findet hier jedes Jahr im Oktober der berühmte Triathlon "Ironman Hawaii" statt.
Kona ist berühmt für seinen teueren und sehr schmackhaften Arabica-Kaffee. In den Ausläufern der Vulkane Mauna Loa und Hualālai werden die Kaffeepflanzen angebaut und hochwertiger Kaffee produziert. Ich durfte eine der größten Coffeemills besuchen und an einer kostenlosen Tour durch die Produktionsstätte der Greenwell Farms teilnehmen. Für einen Kaffeeliebhaber ist das durchaus sehenswert - vor allem dann, wenn gerade Kaffeebohnen geröstet werden. Aber nicht nur Kaffee aus Kona hat mittlerweile internationale Bekanntheit erreicht. Auch die Kona Brewing Co. hat ihren Sitz auf der Westseite der Insel und bietet interessante Einblicke in die Kunst des Bierbrauens sowie ein Pub, das zum Testen der zirka 20 Biersorten der Brauerei einlädt. Prost.

Einsame Strände und Buchten

Wer keinen Bock auf Waikiki hat und lieber einsame Abendspaziergänge an malerischen Stränden bevorzugt, dem sei die versteckte Kiholo Bay empfohlen. Von Süden kommend, kurz nach Meilenmarker 81 des Highway 19 führt links ein unscheinbarer Weg an diese Bucht und an einen Wanderpfad, der einige Highlights entlang des pechschwarzen Strandes zu bieten hat. Am Parkplatz angekommen, läuft man Richtung Norden und bekommt mehrere kleine Fischteiche zu sehen. Nach einigen Metern erreicht man die "Queens Bath" Lava Tube, eine Aushöhlung in einem Wäldchen, die mit Meerwasser gefüllt ist. Der schwarze, raue Strand endet nach zirka 3 Kilometern im Wainanali'i Pond, der "blauen Lagune" Big Islands. Dieser künstlich aussehende Teich wurde einst als Fischteich für König Kamehameha errichtet und erhielt seine heutige Form allerdings durch die herabströmende Lava eines Ausbruchs des Vulkans Mauna Loa im Jahr 1859. Der Teich bietet mit seinen seichten, blauen Gewässern einen Rückzugsbereich für Seeschildkröten und ist ein beliebter, sehr ruhiger Ort um diese und andere wilde Tiere mit etwas Abstand zu beobachten. Geht man den Weg rechtzeitig zurück, wird man am Eingang der Bay bei schönem Wetter mit einem traumhaften Sonnenuntergang belohnt.

Wer es etwas sportlicher mag, unternimmt einen Tagesausflug in die Kealakekua Bay. Ohne Strand, dafür mit steilen Klippen ausgestattet, ist dieser Ort ein fantastisches Stück Natur, das man nur vom Wasser aus erkunden kann. Wenn man bei Sonnenaufgang ankommt und mit dem Kajak in die Bucht paddelt, darf man auf tierische Begleitung hoffen. Delfine kommen fast täglich früh morgens in die Bucht um sich auszuruhen. Zudem ist sie einer der besten Orte Big Islands, um beim Schnorcheln die Fischvielfalt zu erkunden. Da man wahrscheinlich doch ein paar Stunden auf dem Wasser verbringt, sollte man ausreichend Wasser und Sonnencreme einpacken, bevor man sich auf dieses kleine Abenteuer begibt.

Volcanoes National Park

Wahrlich die Highlights meiner Reise stellten zwei Tagesausfüge zu den aktiven Vulkanen Mauna Loa sowie Kilauea dar. Den Mauna Loa erreicht man über zwei verschiedene Zufahrtswege, wobei mein Begleiter und ich uns für den "einsameren Weg" auf diesen Vulkan entschieden haben. Eine kleine, unscheinbare Straße führt zum Mauna Loa Observatory, eine meterologische Forschungsstation auf dem Vulkan, in der seit 1958 täglich die CO2-Konzentration in der klaren Luft dort oben gemessen wird. Der 17 Meilen lange, einspurige Weg führt von Meereshöhe auf knapp 3400 Meter. Man fährt durch eine unglaublich karge Landschaft, die sich immer wieder verändert und genießt absolute Stille und spektakuläre Ausblicke, bis man schließlich einen kleinen Parkplatz nahe des Observatoriums erreicht. Von dort führen mehrere Wanderwege rund um den Mauna Loa oder zum Gipfel. Allerdings sollte man sich auf eisige Temperaturen einstellen, die man auf Hawaii sicherlich nicht erwarten würde. Ein Blick vom Mauna Loa zum höchsten Berg Maunakea, einen weiteren ruhenden Vulkan, offenbarte eine schneebedeckten Gipfel. Wir entschlossen uns dort oben, die mitgebrachte Drohne zum Einsatz zu bringen. Einige schöne Ausblicke habe ich im Film rechts zusammengestellt.

Ein weiterer Tagesausflug führt ins Herz des "Volcanoes National Park", den einzigen Nationalpark der Erde, der sich alle paar Jahre bzw. Jahrzehnte aufgrund von Vulkanausbrüchen grundlegend verändert. Dort befindet sich einer der aktivsten Vulkane der Welt, der Kilauea. Die letzte Erruption dieses Schildvulkans dauerte von 1983 bis 2018. Die Lava floss größtenteils unterirdisch bis in den Pazifik und vergrößerte die Insel immer weiter. Den Nationalpark kann man zu Fuß als auch mit dem Auto erkunden. Da wären zum Einen die Steam Vents - Erdöffnungen, durch die heißer Wasserdampf austritt. Unter der Erde trifft Grundwasser auf heißes Vulkangestein, verdampft und tritt durch kleine Risse wieder an die Oberfläche. Zudem kann man durch die Sulphur Banks wandern. Dort treten vulkanische Gase aus, reich an Kohlendioxid, Schwefeldioxid und Schwefelwasserstoff. Die sind zwar nicht gerade gesund und riechen höllisch gut - formen aber sehr interessante Schichten über der seltsamen weiß-grünen Landschaft, durch die man spaziert. Allzulange sollte man sich hier aber nicht aufhalten. Besonders zu empfehlen ist die "Chain of Craters Road". Vom Visitor Center des Nationalparks aus kann man diese mit dem Auto bis zur Südküste der Insel fahren und kommt an diversen Vulkankratern und Lavalandschaften aus den letzten Jahrzehnten vorbei. Immer wieder laden kleine Trails an verschiedenen Wegpunkten der Straße zu kleinen Wanderungen ein, um die Landschaften zu erkunden. Das Ende der Straße wartet nach 36 Kilometern an einer Klippenküste, von der man einen spektakulären Blick auf ein tobendes Meer genießen kann. Dort findet man auch den Hōlei Sea Arch, einen steinernen Bogen, der von einem Lavastrom vor ca 550 Jahren geformt wurde und entfernt an die 12 Apostel an der Great Ocean Road in Australien erinnert.