Big in Japan (2)

Shibuya | Fuji | Ueno

Im zweiten Teil meines Berichts zu meinem Japanaufenthalt im November nehme ich euch mit auf die wohl berühmteste Straßenkreuzung der Welt und zeige euch ein paar Eindrücke von der Fünf-Seen-Landschaft rund um den Mount Fuji.

Shibuya Shibuya!

In Tokyo muss man auch zumindest einmal den Bezirk Shibuya besuchen, der weltbekannt ist für die spektakuläre Shibuya Crossing. An dieser Straßenkreuzung laufen zeitweise über 10.000 Menschen gleichzeitig über die Straße. Das geschieht nicht nur geradeaus, sondern auch diagonal und lässt einen Burschen aus dem Oberpfälzer Wäldchen erst mal mit offenem Mund dastehen. Der Moment, wenn alle Verkehrsampeln gleichzeitig auf Rot springen und den Weg für die auf allen Seiten wartenden Fußgänger freigeben ist einfach nur spektakulär. Die gigantischen LED-Wände und die 360-Grad-Musikbeschallung tragen ihr übriges zur gleichzeitigen Reizüberflutung aller Sinnesorgane bei. Interessanterweise finden alle Menschen ihren Weg. Es kommt wie auch in anderen überfüllten Orten zu keinerlei Gedränge oder Zusammenstößen. Japaner sind einfach sehr diszipliniert! ;-)

Was gibt es sonst so in Shibuya zu entdecken? Verlässt man den Bahnhof durch den Hachiko-Exit kommt man am Denkmal des "treuen Hundes Hachiko" vorbei. Dieser Hund ist in Japan der Inbegriff für Treue und hat in den 20er-Jahren jeden Tag zehn Jahre lang am Bahnhof auf sein verstorbenes Herrchen gewartet. Die Geschichte wurde sogar verfilmt. Das Denkmal soll an Hachiko erinnern und ist ein beliebter Treffpunkt in Shibuya.

Läuft man dann erstmal über die Kreuzung (und zurück - und gleich nochmal - und zurück - und gleich nochmal), findet man sich in einem der beliebtesten Ausgeh-, Einkaufs- und Food-Viertel wieder, welches Tokyo zu bieten hat. Wohl vor allem unter Ausländern sehr beliebt ist die Shibuya-Filiale von Genki Sushi - ein sehr außergewöhnliches Sushi-Restaurant. Allein der automatisierte Bestellvorgang und die anschließende Anlieferung des Sushis ist einen Besuch wert. Über ein Schienensystem wird die Bestellung direkt an den eigenen Platz geliefert. Da sehen die "Running-Sushi"-Restaurants in Deutschland ziemlich blass aus dagegen. Allerdings hat diese Sushibar rein gar nichts mit einem traditionellen japanischen Sushi-Restaurant zu tun. 

Zu guterletzt verirren sich auch sehr viele Straßenkünstler in die Gassen von Shibuya. Teilweise spielen sogar ganze Bands !vollverstärkt! in der Fußgängerzone und hoffen auf begeisterte Zuhörer. Die bekommen sie auch - ich hatte den Eindruck, die japanische Jugend ist ziemlich schnell und einfach zu begeistern. 

Hallo Fuji-San!

Da Shibuya unserem ersten Besuch in Akihabara in Sachen schrill, bunt, und laut in nichts nachstand, beschlossen wir nach dem Konzertbesuch in Yokohama mal einen ruhigeren Tag einzulegen und einen Tagesausflug zum Mount Fuji zu unternehmen. Japans berühmtester Vulkan befindet sich zirka 100 km südwestlich von Tokyo und ist etwas umständlich mit der Bahn zu erreichen. Besteigen lässt sich der 3776 Meter hohe Berg offiziell nur in den Monaten Juli und August - aber das wollten wir bequemen Deutschen auch gar nicht.

Bei strahlendem Sonnenschein machten wir uns auf den Weg in die Fünf-Seen-Region nördlich des Fuji um ihn aus der Nähe zu sehen und die ländlichere Seite Japans kennenzulernen. Wir fuhren mit einer mehr oder weniger Panoramabahn nach Fujikawaguchiko um eine kleine Wanderung um den Kawaguchisee zu unternehmen. Das Touristenörtchen punktete zwar nicht gerade mit seiner Schönheit, allerdings war der Ausblick auf den Fuji und das bunte Herbstbild rund um den See dafür umso schöner. Wir hatten das Glück, einen sonnigen Tag außerhalb der Touristen-Saison zu erwischen, was den Ausflug sehr angenehm und ruhig gestaltete.Hier haben wir uns auch auf sehr tradionelles Essen eingelassen - eine Art Pichelsteiner mit etwas anderen Zutaten. Sehr lecker und deftig. 

Der Fuji selbst zeigte sich an diesem Tag von seiner besten Seite. Zwar waberten ein paar Wölkchen um seine Spitze, allerdings hatte man meistens einen tollen Blick auf den Berg. Im Shinto-Glauben und auch im Buddhismus wird der Berg als heilig angesehen und steht heute in aller Welt als Symbol für Japan.

Ueno Park

Und wenn man sich schon erholt, dann gleich doppelt. Zurück in Tokyo haben wir dann auch den Ueno Park besucht, einen der größten und schönsten Parks Tokyos. Dort gab es auch viel zu entdecken. Unter anderem sind dort viele Museen und der Ueno-Zoo angesiedelt. Sehr gut besucht ist der Park vor allem zur Zeit der Kirschblüte.

Der Zoo liegt sehr unscheinbar im Park, kostet nur umgerechnet 4 Euro Eintritt und entpuppte sich als sehr großzügig angelegt. Natürlich haben hauptsächlich Kinder Spaß daran, exotische Tiere kennenzulernen. Sehr stolz ist der Zoo übrigens auf seinen Panda-Nachwuchs, den wir aber leider nicht zu Gesicht bekamen.

Außerdem stand für uns ein Besuch im Naturwissenschaftsmuseum an. Ähnlich wie im Deutschen Museum in München laden dort verschiedene Welten zur Erkundung ein. Aufwendig gestaltet und mit sehr vielen technischen Spielereien gespickt war vor allem die Ausstellung zur Evolutionsgeschichte von Dinosauriern bis zur Neuzeit. 

Im Park wurde auch ein kleiner See angelegt, der die etwas angestaubte, altbacken wirkende Umgebung etwas gemütlicher erscheinen ließ. Umzingelt von grauen Hochhäusern wirkte der Park wie eine deplatzierte Oase um den gestressten Japanern einen Platz zur Erholung zu bieten. Sehr amüsiert haben wir uns gemeinsam mit den vielen Koi-Karpfen, die den See ihre Heimat nennen. Sobald man nur ein Bröselchen in den See fallen ließ, tauchten 30 Koi-Karpfen auf, die einen um Futter anbettelten.


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